„Zu Tisch! Esskultur in Schlösser und Gärten“
Konzerte, kulinarische Genüsse und ein vielfältiges Unterhaltungsprogramm gestalteten den festlichen Tag im Staatspark Karlsaue und Orangerie.
Cour de Cassel übernahm den zentralen Part des Landgräflichen Hofes und zeigt ein öffentliches, barockes Gelage wie es damals an vielen europäischen Höfen, gewissermaßen als Vorform des "Picknicks" abgehalten wurde.
Diese Collations hatten in dieser Form ihren Ursprung am französischen Hof, denn Ludwig XIV liebte es, in seinen Gärten zu feiern. In den Bosketten, den abgetrennten Wäldchen mit den phantasievollen Wasserspielen wurden Zelte, Büffets, Staffagebauten und wundervolle Dekorationen aufgebaut, der Hof konnte sich fast zwanglos amüsieren und wurde natürlich auch musikalisch unterhalten.
Am Hofe des Landgrafen Karl von Hessen Kassel (1654 – 1730) wurde vieles aus Frankreich nachgeahmt und so wurde von uns auch dieses Inszenierung konzipiert. Wir schufen Tischdekorationen aus Blumen, Früchten und Zucker nach alten Vorlagen, kochten Speisen nach historischen Rezepten und ließen uns musikalisch von Dr.Stephan Sperlich (Barocktrompete) Gabriele Janneck (Barocklaute) und Christian Tewordt (Musette) verwöhnen. Für das interessierte Publikum moderierte Andreas Wellstein das Geschehen.
Es war ein entspannter Nachmittag, selbst das eher problematisch angekündigte Wetter wandte sich zum Guten. Ein Höhepunkt war sicherlich der Besuch des spektakulären Marmorbades. Ein Meisterwerk des Barock mit Skulpturen von Pierre Ètienne Monnot, dass den Krieg zum größten Teil überstanden hatte und ahnen lässt, welcher Schatz mit dem alten Kassel untergegangen ist.
Auch unsere neue Barockdarstellung hat sich erweitert, bis zum nächsten barocken Termin, den 1.September, wird sich sicherlich noch einiges tun.
Barock und Rokoko gemischt ?!
Wie schon bei den beleuchteten Wasserspielen, haben wir für
unsere Veranstaltungen in diesem Jahr zwei Epochen gemischt: Barock und Rokoko.
In Deutschland gibt es bis dato keine höfische
Barockdarstellung (gemeint ist die Zeitspanne 1660 bis 1730), ja es existiert hierzulande überhaupt keine historische Darstellung auf Living
History Niveau dieser Epoche und demnach auch keine Veranstaltungen. Auch nicht militärisch oder bügerlich.
Ein Reenactment des 17. Jahrhunderts findet
praktisch nur im Bereich des 30jährigen Krieges, also der ersten Hälfte des 17.Jahrhunderts statt. Das 18. Jahrhundert wird frühestens ab den 1740er Jahren thematisiert.
Nun steht man als Organisator vor folgendem Problem:
Man will eine Barockveranstaltung ins Leben rufen, hat dafür
aber keine Darsteller, weil keine Ausstattung vorhanden ist – also finden
solche Veranstaltungen nicht statt, sie können gar nicht stattfinden. Auf der anderen Seite, weshalb sollte man
als Darsteller viel Geld in die Hand nehmen, um eine Darstellung zu realisieren, wenn es
dafür keine Veranstaltungen gibt? – und so beißt sich die Katze weiterhin in
den Schwanz.
Ein
weiteres Problem ist ganz pragmatischer Natur – eine Darstellung zu erleben,
ist schlicht eine ganz und gar andere Erfahrung, als sich ein Gemälde anzusehen
und dabei Vermutungen anzustellen, wie so etwas als historische Darstellung
aussehen könnte.
Um diesen Kreis zu durchbrechen, haben wir uns für einen „mixed-way“
entschieden: Wir mischen in diesem Jahr zunächst Barock und Rokoko und versuchen darüber
unsere befreundeten Darsteller für diese Epoche zu begeistern - und allen Interessierten zu signalisieren, dass ab sofort hier etwas passiert.
Dieser Weg, der durchaus kritisiert wird, weil wir jetzt
gewissermaßen eine Multi-Period Veranstaltung in diesem Jahr haben, hat sich
aber als der Richtige erwiesen. Nach und nach ziehen unsere befreundeten Darsteller
mit und wir sind zuversichtlich 2019 ganz und gar barocke Termine neben den reinen Rokoko-Terminen ansetzen zu
können.
Wir hoffen bei diesem ambitionierten Projekt auf viele weitere MitstreiterInnen.