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Mittwoch, 21. Juni 2017

Ausflug nach Schloss Wilhelmsthal - Teil 2



Am 17. Juni trafen sich Mitglieder und Freunde der Cour de Cassel / Gesellschaft für Hessische Militär- und Zivilgeschichte e.V. zu einem Nachmittag im Schlosspark Wilhelmsthal bei Calden.















































auf ein baldiges Wiedersehen im schönen Wilhelmsthal....

Dienstag, 20. Juni 2017

Ausflug nach Schloss Wilhelmsthal bei Calden



Am 17. Juni trafen sich Mitglieder und Freunde der Cour de Cassel / Gesellschaft für Hessische Militär- und Zivilgeschichte e.V. zu einem Nachmittag im Schlosspark Wilhelmsthal bei Calden.
Das Schloss liegt einige Kilometer außerhalb der alten Haupt- und Residenzstadt Kassel.
Schloss Wilhelmsthal wurde als Lustschloss und Sommerresidenz für den Stadthalter und späteren Landgrafen Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel erbaut. Architekt war niemand geringerer als François de Cuvilliés. Der verheerende Siebenjährige Krieg verhinderte eine Fertigstellung zu Lebzeiten des alten Landgrafen. Das Schloss war zudem Schauplatz einer der größten Niederlagen der französischen Truppen Ludwig XV und ging als „Schlacht bei Wilhelmsthal“ in die Geschichte ein: Herzog Ferdinand von Braunschweig überraschte die unvorbereitete Armee des Marquis de Soubise. Resultat auf preußischer Seite, ca. 150 Tote, sowie 250 Verwundete, auf französischer Seite ca. 2000 Tote und mehr als 2500 Gefangene. Zudem fielen dem Herzog von Braunschweig zahlreiche Kanonen und Fahnen des Feindes in die Hände. Die Toten dieser Auseinandersetzung sind an der Schlossmauer begraben worden.



Nach dem Siebenjährigen Krieg nahm Landgraf Friedrich II. die Bauarbeiten an dem Schloss wieder auf. Jetzt übernahm der Hofarchitekt Simon du Ry die Bauleitung. Schloss Wilhelmsthal war zwar im Rohbau vollendet, jedoch war bisher nur die Innenausstattung des Erdgeschosses fertiggestellt worden. Friedrich II. ließ die „Belle Etage“ im schönsten Rokoko äußerst prunkvoll und aufwendig ausstatten, der prachtvolle Musensaal wurde vom Stuckateur Brühl ausgestalten, für die Vertäfelungen waren Nahl und Lucas Meyer verantwortlich. Landgraf Friedrich war es auch, der die kleine Kapelle im Seitentrakt einrichten ließ, damals noch für katholische Gottesdienste.
Das Schloss wurde genutzt, doch die besondere Aufmerksamkeit des Landgrafen fand es nicht, er bevorzugte das Jagdschloss in Wabern und Schloss Weißenstein, die spätere Wilhelmshöhe.
Der Schlosspark wurde wahrscheinlich nie nach den damaligen Plänen realisiert, bzw. nur zum Teil fertiggestellt (die Pläne gehen auch auf François de Cuvilliés zurück). So existierten am Ententeich, hinter der Grotte, eine ganze Reihe chinesischer Häuser. Die Grotte, ebenfalls ein Werk François de Cuvilliés, war ein besonderes Kleinod der Anlage und reich ausgestattet mit kleinen Fontänen, Edelsteinen, Muscheln und aus Keramik geformten Kriechtieren.

Der hochfürstliche Hofbibliothekar und Historiker Friedrich Christoph Schmincke (1724-1795) beschreibt die Grotte wie folgt:

"Der Fußboden ist von Marmor und die Wände sind mit Moos, allerhand schrofichten und ausgefressenen Klippsteinen, zwischen welchen Schnecken und Muscheln von Allerlei Art sich sehen lassen, ingleichen mit blauen und andern Berg- und Erzsteinen und Corallenzinken versetzt. Verschiedene aus Erz, Marmor und Muschelwerk verfertigte Drachen, Salamander und andere giftige Tiere und Insekten stehen oben herum.“

(Derzeit wird die Grotte und die Kanalanlage saniert, ist daher nicht zugänglich. Das Foto entstand 2010 vor der Sanierung)

Die Innendekoration stammte vom "Grottenkünstler" La Potterie, der im Dienste des Kurfürsten von Köln, Clemens August von Bayern, stand. Von der damaligen Dekoration sind nur Beschreibungen erhalten, so auch eine Ode des hessischen Regierungsrates H.A.Hille:

"Mein Auge starrt, das Glanz und Strahlverblenden, die der Saphire und reiner Jaspis schickt. Es blitzt die Pracht aus diamantenem Wänden, die dort ein Zug, hier eine Muschel schmückt. Das Meer gab selbst aus ungemeßnen Gründen, den Grottenschmuck, den reichen Wasserschatz. Allein Geschmack und Anmut zu verbinden, gab la Potterie ihm den bestimmten Platz"


Als Landgraf Friedrich II. 1785 starb, wurde der Park (wie alle anderen Schlossgärten in und um Kassel) im Auftrag Wilhelm IX. in einen englischen Landschaftspark umgestaltet. Die Kanalanlage der Grotte wurde zugeschüttet, die reiche Ausgestaltung zerstört. Im Park wurde (gewissermaßen als kleines Pendant zur Löwenburg) ein Aussichtsturm im gotischen Stil errichtet.
Am letzten Samstag besuchte Cour de Cassel die wohl schönste Rokoko-Anlage Hessens und tauchte ein wenig in die Zeit der Hofhaltung des Landgrafen Friedrich II. von Hessen-Kassel ein.












































Teil 2 der Bilderstrecke: Hier